Bingo in England: Kult zwischen Halle, Rave und Drag Bingo

Bingo in England: Kult zwischen Halle, Rave und Drag Bingo

Bingo in England: Kult zwischen Halle, Rave und Drag Bingo

Bingo in England ist 90 Ball Bingo: drei Reihen, 15 Zahlen und ein Ausrufer, der früher Spitznamen rief. Britische Soldaten nannten das Spiel lange Housey-Housey, Tombola oder Lotto. Seit 1961 ist es in Bingo Hallen erlaubt, heute kommen Partys, Shows und Online Bingo dazu. Hier liest du, warum die Briten verrückt nach Bingo sind und wie sich das Spiel entwickelt hat. Außerdem: wo man spielt und was gerade angesagt ist.

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Bingo Formate:

Inhalt

  1. Was ist englisches Bingo?
  2. Bingo in England ist weit mehr als ein Gesellschaftsspiel: alle Formate
  3. Wo spielt man Bingo in England?
  4. Bingo in England spielen: Alter, Regeln und Ausrufer
  5. Wer spielt Bingo in England?
  6. Bingo Hallen heute: der Markt in England
  7. Warum ist Bingo in England so beliebt?
  8. Die Bingo Geschichte in England
  9. Zeitleiste: Bingo in England
  10. Fazit: Bingo in England ist Tradition, Party und Show
  11. Häufige Fragen

Was ist englisches Bingo?

Bingo in England wird mit den Zahlen von 1 bis 90 gespielt. Jeder Schein hat drei Reihen und neun Spalten. In jeder Reihe stehen fünf Zahlen, auf dem ganzen Schein also 15. Der Ausrufer zieht die Zahlen nacheinander, die Spieler streichen ab.

Gewonnen wird in drei Stufen. Zuerst zählt eine volle Reihe, dann zwei volle Reihen, am Ende der volle Schein, das Full House. Wer fertig ist, ruft laut „House!“ oder „Bingo!“. In den Hallen kommen die Scheine meist im Streifen zu sechs. So steht jede Zahl von 1 bis 90 genau einmal auf dem Streifen. Das ist zumindest die Tradition.

Illustration: 90 Ball Bingo Schein mit drei rot markierten Zahlen auf einem Holztisch, daneben die englische Flagge mit rotem Georgskreuz und ein Dauber
Ein 90er Schein hat drei Reihen mit je fünf Zahlen. Jede Spalte steht für einen Zehnerbereich. (KI Illustration)

Die Bingo Zahlen: Namen und Ausrufe in England

Typisch für Bingo in England waren lange die Spitznamen der Zahlen. Der Ausrufer sagte nicht „eins“, sondern „Kelly's Eye, number one“. Für die Elf rief er „Legs Eleven“, weil die Zahl laut Green's Dictionary of Slang aussieht wie zwei Beine. Two Fat Ladies stand für die 88. Nach dem Gaming Act 1968 drängte die Aufsicht die gereimten Rufe laut der Historikerin Carolyn Downs aus den gewerblichen Hallen. Weiter leben sie in Arbeiter- und Veteranenclubs, bei Spendenrunden und in den Spielhallen am Meer. Bei Rave Bingo gehören sie laut Time Out zur Show. Weitere Spitznamen stehen in unserem Überblick zum Bingo Spiel.

Die Ausrufe sind älter als die Bingo Hallen. Das Green's Dictionary belegt Spitznamen schon 1917 bei Soldaten. Laut Downs überbrückten sie die Wartezeit beim Ziehen und machten Zahlen in lauten Räumen unterscheidbar. Woher Kelly's Eye kommt, weiß niemand genau.

Bingo in England ist weit mehr als ein Gesellschaftsspiel: alle Formate

Bingo in England ist mehr als ein Nachmittag im Club. Laut Time Out haben vor allem junge Erwachsene das Spiel neu entdeckt. Aus dem klassischen Bingo sind in Großbritannien viele Partyformate entstanden (Axios). Von hier aus haben sie sich in andere Länder verbreitet. Bingo England ist längst mehr als eine Halle, in der Zahlen gezogen werden: mehr Show als Zahlenrufen.

Junge Leute ziehen Live-Unterhaltung inzwischen sogar Nachtclubs vor (The Fader). In London ersetzen Bingo Clubs teils geschlossene Diskotheken. Auch der Gambling Commission sind die neuen Partyformate aufgefallen. Bingo werde vielfältiger und erreiche so womöglich ganz neue Spieler. Mit einem reinen Seniorenspiel hat das nichts mehr zu tun.

Bingo England: alle Formate auf einen Blick

Format So läuft es Wo
Hallenbingo 90 Ball Bingo mit Ausrufer landesweit
Drag Bingo Dragqueens moderieren, mit Kabarett Gay Bars, Pubs, Tourneen
Brunch Bingo Essen, Getränke, Show und Bingo, meist samstags London, Großstädte
Rave Bingo Clubmusik, Tanzrunden, absurde Preise seit 2015, landesweit
Musik Bingo Hip-Hop, UK Garage, 80er, Musicals London, Birmingham
Comedy Bingo Comedians statt Ausrufer, Spielshow London, Hampshire
Familien und Disco Bingo Brunch am Sonntag, Disco mit UV-Licht London
Immersive Bingo Show mit Bildschirmen und Licht London

Hallenbingo in England: der Klassiker

Der Klassiker ist die Bingo Halle. Gespielt wird dort meist nachmittags und abends zu festen Zeiten. Du kaufst dir ein Heft mit Scheinen, auf Englisch „book“, oder spielst am elektronischen Gerät. Die meisten Clubs bieten laut Wikipedia solche Terminals an. Sie streichen die Zahlen automatisch ab. Vor dem Start ruft der Ausrufer „Eyes down“, dann wird es still. Das hat etwas von Casino. Meist spielst du mit vielen anderen zusammen.

Drag Bingo in England: Bingo Party aus der queeren Szene

Drag Bingo in England hat seine Wurzeln in der queeren Szene. Die Royal Vauxhall Tavern in London ist laut Wikipedia das älteste erhaltene queere Lokal im Süden der Stadt. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollen dort heimgekehrte Soldaten und schwule Männer aus der Gegend Travestieshows besucht haben. Laut Visit London war es das erste Gebäude, das wegen seiner Bedeutung für die LGBTQ-Szene unter Denkmalschutz kam.

Dort moderierte die Dragqueen Charlie Hides als „Queen of Bingo“ Abende mit Bingo und Kabarett, Tickets ab 10 Pfund. Die bärtige Dragqueen Timberlina bot laut Culture Calling einen wöchentlichen Abend mit Bingo, Kabarett, Mitsingen und Comedy.

Visit London nennt Drag Bingo in mehreren Gay Bars, etwa in Soho. Ein Veranstalter tourt mit Drag Bingo durch London, Manchester, Cardiff, Brighton und Portsmouth. Andere Reihen ziehen laut dem Eventportal Design My Night mit wechselnden Themen durch Londoner Pubs.

Brunch Bingo in England: Show und Bingo am Samstagmittag

Brunch Bingo in England verbindet den Bottomless Brunch mit einer Runde Bingo. Beim Bottomless Brunch werden die Gläser für eine feste Zeit immer wieder gefüllt. Los geht es laut Veranstaltern meist samstags zwischen 11 und 13 Uhr, Schluss ist gegen 16 Uhr. Einige bieten auch einen späten Brunch am Abend an. Ein typisches Ticket umfasst laut einem Londoner Hotelblog zwei Gänge, 90 Minuten Prosecco und eine Runde Drag Bingo. Dazu kommen Kabarett, Tanzwettbewerbe und Preise.

Ein Paket mit Essen und Getränken gibt es laut Veranstalter ab rund 40 Pfund. Beworben wird Brunch Bingo gezielt für Geburtstage, Junggesellinnenabschiede und Treffen mit Freunden. Es ist ein Format für Erwachsene.

Familien Bingo und Disco Bingo in England

Mit Kindern geht’s natürlich auch. Time Out beschrieb eine Londoner Halle mit einem Thema für jeden Wochentag. Sonntags gab es Family Brunch Bingo mit Frühstück, samstags Disco Bingo mit UV-Licht. Das zeigt, wie wandelbar das Spiel ist.

Rave Bingo in England: Clubnacht mit Zahlen

Rave Bingo in England entstand 2015 in Liverpool. Gegründet wurde es von zwei Männern, die vorher Pub-Quiz und Clubnächte veranstaltet hatten. Ihr Ziel: Bingo mit der Stimmung eines Studentenraves (Wikipedia). Bis 2019 füllte Bongo's Bingo Säle auf Ibiza, in Dubai, in Australien und in Amsterdam. Laut Time Out läuft das Format heute an mehr als 40 Orten. Auch The Guardian widmete 2025 einem Abend in Liverpool einen Artikel.

Bingo Loco und andere Bingo Raves

Ein ähnliches Format heißt Bingo Loco und stammt von drei Iren. Ungefähr drei Stunden dauert ein Abend (Secret London). Zu gewinnen gab’s beispielsweise schon ein Auto und drei Meter große Teddys. Typisch ist eine Rave-Runde mit zehn Minuten Tanzen, bei jedem Gewinn ertönt ein Horn.

Musik Bingo in England: von Hip-Hop bis Musical

Musik Bingo in England gibt jeder Runde einen Soundtrack. Beim Hip-Hop Bingo gibt es laut Culture Calling Lip-Sync-Battles zu Hip-Hop und R&B der 90er Jahre. Ein Londoner Hotelblog nennt als Preise vergoldetes Werkzeug. UK Garage Bingo lädt dort zu Limbo und Tanzwettbewerben ein, an mehreren Orten in London.

Weitere Themen nennt das Eventportal Design My Night: Musical Bingo, 80er-Hits und Old Skool mit R&B. UK Garage Bingo gibt’s auch in Birmingham.

Comedy und Kabarett Bingo in England

Manche Abende setzen auf Humor statt auf Musik. In der Halle mit Family Brunch Bingo standen laut Time Out Comedians statt Ausrufern auf der Bühne. Statt Spielautomaten gab es Burlesque. Auch Mecca holte 2019 in seine Halle in Camden laut Time Out Comedians, eine Hausband und Kabarett. In London gibt es laut Design My Night und einem Hotelblog Comedy Bingo, Kabarett Bingo und „Pick and Mix“-Abende. Ein Anbieter in der City nennt sich laut Hotelblog die erste eigens gebaute Bingo Halle Londons. In London und Hampshire läuft Bingo als interaktive Spielshow, mit Pizza und Bier.

Immersive Bingo in England: die Show in London

Immersive Bingo ist ein Bingo Abend als Show mit Bildschirmen, Licht und Sounds. Ein bekanntes Beispiel heißt Hijingo und eröffnete 2021 in London Shoreditch. Laut Time Out kam das Team aus der Bühnentechnik großer Popkonzerte. Die Kulisse liegt zwischen Science-Fiction und alter Bingo Halle.

Laut Fachpresse hat die Halle rund 740 Quadratmeter, zwei Bars, eine Bühne und Platz für bis zu 200 Spieler. Ein Abend dauert 90 Minuten mit sechs Runden. Figuren auf Bildschirmen, Soundeffekte und eine automatische Zahlenziehung führen durch die Show. Ein Reiseblog beschreibt einen virtuellen Ausrufer und zwei Tänzer, die Gewinner auf die Bühne holen. Der Eintritt ist ab 18.

Vorsicht bei der Suche: Online-Anbieter nennen ihre Spieleseiten ebenfalls „immersive“. Das ist Online-Glücksspiel und hat mit dem Abend in Shoreditch allerdings nichts zu tun.

Wo spielt man Bingo in England?

Die Suche nach „Bingo England“ führt zu vielen Orten. Gespielt wird in Hallen, in Arbeiterclubs und Ferienparks, bei Spendenabenden in Kirchen und Schulen, in Pubs und online.

Bingo Hallen und Standorte in der Innenstadt

In England, Schottland und Wales gibt es rund 700 Standorte mit Bingo Lizenz. Ende 2025 waren es laut Quartalszahlen der Aufsicht 718. Darunter sind viele kleine Läden, die fast nur Automaten haben. Klassische Bingo Clubs gibt es deutlich weniger. Laut Wikipedia waren es 2005 fast 600 und 2014 unter 400. Der größte Betreiber, Mecca Bingo, hatte im Juni 2025 noch 50 Hallen.

Zum Branchenverband gehören laut Bingo Association klassische Bingo Clubs, Standorte in Einkaufsstraßen und Ferienparks.

Arbeiterclubs und Social Clubs

In Arbeiterclubs und Social Clubs gehört Bingo zum Vereinsleben. Die Clubs bieten laut Wikipedia vor allem am Wochenende Unterhaltung: Bingo, Verlosungen, Livemusik, Kabarett und Comedy. Meist gehören sie zum Dachverband CIU. Wer in einem Club Mitglied ist, darf laut Wikipedia alle anderen CIU-Clubs besuchen. Das Bier ist meist günstiger als im Pub.

Anfang der 1970er Jahre gab es laut History Workshop gut 4.000 dieser Clubs mit bis zu vier Millionen Mitgliedern. Bis 2012 verschwand etwa die Hälfte. Schon 1969 stellte die Aufsicht fest, dass in Arbeiter- und Veteranenclubs mehr Männer spielen, in gewerblichen Hallen mehr Frauen.

Ferienparks und Seebäder

Bingo gehört zum britischen Urlaub am Meer. Der Ferienpark-Betreiber Haven lässt laut eigener Website in 37 Parks jeden Abend um 17:15 Uhr ein gemeinsames Verbundspiel laufen. An mehreren Abenden gibt es klassisches Bingo um Geld, die verkauften Scheine füllen den Gewinntopf. Rufe wie Legs Eleven gehören dort noch dazu. Für Familien gibt es eigene Runden mit Moderator, Musik und kleinen Sachpreisen für den besten Tisch.

In den Spielhallen der Seebäder läuft Prize Bingo um Sachpreise. Laut Wikipedia wird dort meist mit 75 Zahlen auf drei Karten gespielt. Das Angebot schrumpft, in Blackpool und Skegness gibt es noch mehrere Spielhallen damit.

Kirchen, Schulen und Gemeindesäle

Bingo ist in England ein beliebter Spendenabend. Die Gambling Commission beschreibt zwei typische Fälle: Eine Gruppe mietet für einen Abend den örtlichen Kirchensaal. Oder der Elternverein einer Grundschule spielt mit den Eltern in der Schulhalle, um Geld für Sportausrüstung zu sammeln. Alle spielen gemeinsam vor Ort, die Preise werden vorher angekündigt. Der Erlös geht an den guten Zweck, nach Abzug von Preisen, Karten und Getränken. Auch Kinder dürfen mitspielen.

Der Bingo Abend als Schulklassiker

Laut Elternverband PTA UK gehört der Bingo Abend zu den Lieblingen der Schulen. Die Preise kommen oft über einen Tag ohne Schuluniform zusammen. Wer in eigenen Sachen kommt, bringt einen Preis mit, etwa Schokolade. Lokale Geschäfte spenden weitere Preise. Es gibt kleine Preise für eine Reihe und den Hauptpreis für House, dazu Essen, Getränke und eine Verlosung. Der Eintritt darf höchstens 8 Pfund kosten, die Preise zusammen höchstens 600 Pfund.

Pubs, Bars und Clubs

In Pubs, Gay Bars und Clubs laufen die neuen Partyformate. Laut Visit London gibt es Drag Bingo in mehreren Gay Bars, etwa in Soho. Ein Londoner Lokal verband laut Time Out Frühstück mit Bingo. Man bestellte sein Essen und zahlte 2 Pfund für eine klassische Runde. Zwischendurch gab es Bonuspreise.

Online Bingo in England

Wer im Netz nach UK Bingo oder Bingo England sucht, landet meist bei Online-Anbietern. Wir nennen hier keine Anbieter und keine Boni, sondern nur die Zahlen der Aufsicht. Im Jahr bis März 2026 setzte Online Bingo nach Gewinnen 147,8 Millionen Pfund um. Ein Jahr zuvor waren es 165,6 Millionen Pfund.

Online-Seiten geben sich laut einer Fachstudie bewusst harmlos, häuslich und gesellig. Sie wollen die Stimmung der Hallen nachbilden.

Online spielten 2024 laut Aufsicht 2,5 Prozent der Erwachsenen, weniger als vor Ort.

Bingo in England spielen: Alter, Regeln und Ausrufer

Wer mitspielen will, sollte ein paar Regeln kennen. Die meisten betreffen lizenzierte Hallen.

Ab welchem Alter darf man Bingo in England spielen?

In lizenzierten Bingo Hallen darf man in England ab 18 Jahren spielen. Jüngere dürfen laut der britischen Glücksspielaufsicht Gambling Commission hinein, aber nicht mitspielen. Die meisten Betreiber lassen trotzdem niemanden unter 18 hinein. Zwischen Mitternacht und 9 Uhr morgens darf in Hallen kein Bingo angeboten werden.

Zu Hause spielen Kinder dagegen legal mit. Laut Aufsicht gelten für Bingo in Großbritannien drei Grundsätze. Alle haben die gleiche Chance, alle spielen aktiv mit, und das Ende ist klar erkennbar.

Weitere Regeln für Bingo Hallen in England

Seit dem 1. April 2026 ist die Bingo Steuer abgeschafft. Zuletzt lag sie bei 10 Prozent. Die Regierung nennt Bingo ein Glücksspiel mit geringerem Risiko, das Gemeinden im ganzen Land stützt.

Auch die Automaten beschäftigen die Politik. Im Herbst 2025 stellte die Regierung fest, dass viele lizenzierte Standorte vor allem aus Automaten bestehen. Ihr Vorschlag: Jede Bingo Halle soll einen festen Bingo Bereich haben.

Wie das alles in Deutschland geregelt ist, findest du hier: Ist Bingo ein Glücksspiel?

Der Ausrufer als Beruf beim Bingo in England

Ohne Ausrufer läuft Bingo in England nicht. In der Halle führt ein Bingo Caller durch das Spiel. Er ruft die Zahlen, hält die Stimmung und prüft die Gewinnscheine. Stellenanzeigen im staatlichen britischen Jobportal verlangen dafür keine Erfahrung, nur Freude an Publikum. Ausgebildet wird im Betrieb, gearbeitet meist abends und am Wochenende. Ein Betreiber nennt seine Ausrufer „Presenter“.

Den Weg in den Beruf beschreibt ein britisches Karriereprofil so: Viele beginnen im Service oder als Helfer in der Halle. Wer Talent zeigt, wird zum Ausrufer geschult. Später geht es zur Hallenleitung oder in die Unterhaltungsbranche. In Schottland gibt es laut einem Berufsportal eine eigene Berufsqualifikation für den Bingo Betrieb.

Wettbewerbe: die besten Stimmen für Bingo in England

Die besten Ausrufer treten im Wettbewerb „Caller of the Year“ gegeneinander an. Laut einem Betreiber kamen 2024 über 200 Bewerbungen, bewertet werden Spielwissen, Bühnenpräsenz, Unterhaltung und Technik. Die BBC widmete diesem Wettbewerb 1999 eine Dokumentation. Seit 2021 gibt es einen Comedy-Wettbewerb für Ausrufer, offen für Stand-up, Drag und Kabarett.

Jackpot Jess aus Stockton

Wie das heute aussieht, zeigt Jess Heron aus Stockton. Die damals 31-Jährige rief laut Teesside Live nach 18 Monaten Gewinne von über 4,8 Millionen Pfund aus. Ihre Stammgäste nennen sie „Jackpot Jess“. An einem Tag vergab sie fünf Jackpots, im Schnitt kamen pro Woche 66.000 Pfund zusammen. Sie gehört zu einer neuen Generation von Ausrufern, die Bingo bei Jüngeren beliebt machen. Nicht-Spieler seien oft überrascht, wie viele junge Leute spielen, sagt sie. Wie man selbst einen Abend leitet, steht im Artikel zum Bingo Moderator.

Wer spielt Bingo in England?

Das Klischee über Bingo in England kennt jeder: ältere Frauen mit Filzstift im Club. Laut Gambling Commission spielen mehr Frauen als Männer. Die größten Altersgruppen sind aber zwei: die über 65-Jährigen und die 25- bis 34-Jährigen. Zwei Drittel spielen vor Ort und nicht online.

Wie viele Menschen spielen Bingo in England?

Wie viele Menschen spielen, ist umstritten. Der Branchenverband zählt nur Besucher klassischer Clubs und kommt auf 1 Prozent der Erwachsenen. Die Aufsicht erfasst auch Vereine und Spendenrunden und kommt auf 3,3 Prozent. Im Schnitt kommen Spieler zwei bis drei Mal im Monat. Laut einer Fachstudie ist Bingo die einzige Glücksspielform in Großbritannien, bei der Frauen häufiger mitmachen als Männer.

Wichtiger als der Gewinn ist das Miteinander. Wer in die Halle geht, tut das laut Gambling Commission vor allem aus geselligen Gründen. Viele Clubs sind laut Time Out Treffpunkte, die gegen Einsamkeit helfen.

Junge Leute entdecken Bingo in England

Laut Mecca Bingo sind 44 Prozent der Erstbesucher unter 35 (Independent). In einer Umfrage des Betreibers unter 18- bis 35-Jährigen nennen 64 Prozent die gesellige Stimmung als Grund. Knapp die Hälfte mag die Mischung aus Unterhaltung und Wettbewerb, 45 Prozent die Gewinnchance.

Dahinter steckt ein anderer Umgang mit Alkohol. 79 Prozent der Befragten interessieren sich für Pläne, bei denen Trinken nicht im Mittelpunkt steht. Ein Drittel findet Trinkabende zu teuer. 22 Prozent schätzen, den ganzen Abend an einem Ort zu bleiben.

Die Geschäftszahlen des Betreibers passen dazu. Im Jahr bis Juni 2024 kamen über 187.000 neue Mitglieder dazu, 44 Prozent davon unter 35. Ein Jahr später waren es 160.000 neue Mitglieder, 57 Prozent unter 40.

Bingo Hallen heute: der Markt in England

Das Geschäft mit Bingo in England wächst. Im Jahr bis März 2026 setzten die Bingo Hallen nach Gewinnen 703,8 Millionen Pfund um. Das sind 8,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Der größere Teil davon kommt nicht aus dem Bingo selbst. Bingo brachte 242,1 Millionen Pfund, die Automaten 461,7 Millionen.

Nach Lotto, Rubbellosen und Sportwetten ist Bingo in einer Halle die beliebteste Form des Glücksspiels vor Ort. Der Branchenverband sieht Bingo am „weichen Ende“ des Glücksspiels, fest verankert im Leben der Gemeinden.

Warum ist Bingo in England so beliebt?

Für den Erfolg von Bingo in England gibt es keine einzige Erklärung. Die Historikerin Carolyn Downs nennt vor allem zwei. Erstens gibt es in Großbritannien seit dem 18. Jahrhundert eine lange Tradition von Zahlenspielen, oft von Frauen und für Frauen. Zweitens hatte durch zwei Weltkriege fast jede Familie Kontakt zum Militär, und dort war das Spiel erlaubt.

Als das Gesetz 1960 gewerbliches Bingo möglich machte, standen Kinos und Tanzsäle tagsüber leer. Der Economist schrieb 1961, Bingo sei gekommen, um diese teuren Häuser zu retten. Das Fazit von Downs: Die Unternehmer haben die Nachfrage nicht erfunden, sondern bedient.

Die Bingo Geschichte in England

Die Geschichte von Bingo in England beginnt weit vor den Hallen. Nämlich auf der Straße, in Kasernen und auf dem Rummel. Die Historikerin Carolyn Downs hat die Geschichte des Bingo in Großbritannien in ihrer Doktorarbeit erforscht. Einen Teil davon zeigt ihre Fachstudie zu Mecca und den ersten Bingo Clubs. Hier kommen ein paar wesentliche Ergebnisse.

Bingo Geschichte: Zahlenspiele seit dem 18. Jahrhundert

Schon 1716 verbot der Londoner Bürgermeister den Straßenhändlerinnen das Würfeln. Die Frauen wichen auf Drehräder mit Zahlen aus. Später betrieb der Staat eine eigene Lotterie, doch deren Lose waren für arme Leute zu teuer. So entstanden illegale Zahlenlotterien, die „little goes“. Lose gab’s dort ab einem halben Penny. Vor allem Frauen spielten mit.

Bei einer Razzia 1795 hieß es, Frauen hätten dafür Betten und Eheringe versetzt. Einmal wurden laut Downs über 300 Frauen auf einmal verhaftet. Ein Parlamentsausschuss schätzte 1808, dass in London jedes Jahr eine halbe Million Pfund auf Zahlenspiele gesetzt wurde. Das Lotto als Kinderspiel ist laut Britannica seit 1778 belegt. Die Karte mit 90 Zahlen selbst stammt vom italienischen Lotto, ihren Weg erzählt der Artikel zur älteren Variante des Bingo.

Tombola in der Marine, House in der Armee

Laut Encyclopaedia Britannica war das Spiel das einzige erlaubte Glücksspiel der britischen Streitkräfte. Die Royal Navy nannte es ab 1880 Tombola. In der Armee hieß es ab 1900 House oder Housey-Housey.

Kam die Tombola aus Malta?

Wie kam die Marine zu dem Spiel? Downs vermutet eine Spur nach Malta. Das Zahlenlotto wurde in Malta, Spanien und Italien gespielt, und die Marine hatte ab 1814 eine große Garnison auf Malta. Dort hat sie das Spiel nach Einschätzung der Historikerin übernommen.

Gespielt wurde um Geld für die Kasse der Gemeinschaftsküche der Einheit. Seit 1906 war Barwetten für einfache Leute in Großbritannien verboten, in der Truppe aber war das Spiel erlaubt. Bis 1914 war es fest etabliert, mit Zahlen von 1 bis 90 und fünf Zahlen pro Reihe. Als Marker dienten Kronkorken, Uniformknöpfe oder Brotstücke.

Housey-Housey, Lotto, Tombola und Bingo in England

Housey-Housey ist der alte Name der Soldaten für Bingo, eine ältere Variante des Bingo. Er kommt vom Ruf des Gewinners: Wer seinen Schein voll hatte, rief „House!“. Laut Collins Dictionary stammt das wahrscheinlich von „full house“. Die Kurzform heißt Housie. Vereinzelt hieß das Spiel auch Housey-House, so steht es etwa im Katalog des National Army Museum.

Viele Namen für ein Spiel

Housey-Housey war wohl keine eigenständige Erfindung. In Großbritannien gab es mehrere Namen für eng verwandte oder gleiche Zahlenspiele: Lotto, Tombola, Housey-Housey und Bingo. Auch der Name Bingo war in den 1950er Jahren schon verbreitet, etwa an einem Lokal in Margate oder am Badeort Bognor Regis.

Wie eng diese Namen zusammenhängen, zeigen die Protokolle des britischen Parlaments. In einer Debatte des House of Commons von 1956 nennt ein Abgeordneter Housey-Housey, Bingo und Tombola genau dasselbe Spiel. Im Jahr 1961 sagt ein Redner in einer Debatte über Bingo Clubs: „In the Forces we called it Housey-Housey.“ Gleich danach nennt er auch die Namen Tombola und Lotto.

Die Namen wechselten je nach Zeit und Umfeld. In den Parlamentsdebatten gehen sie bunt durcheinander.

Housey-Housey und Tombola im Parlament

Ein Beispiel: 1968 erinnert sich ein Abgeordneter im Unterhaus, bei der Marine habe man das Spiel Housey-Housey genannt. Er fügt hinzu, dass 1960 in keiner Debatte jemand das Wort Bingo benutzt habe. Schon 1966 nannte ein Lord im Oberhaus das englische Bingo den direkten Nachfolger von Housey-Housey. 1991 fasst ein Redner im Oberhaus zusammen. In den Clubs hieß es Lotto, Housey-Housey oder Tombola, „unter all diesen Namen ist es Bingo“.

Housey-Housey im Ersten Weltkrieg

Im Krieg wurde das Spiel zum Zeitvertreib zwischen den Einsätzen. Das National Army Museum in London zeigt ein Housey-Housey-Spiel aus den Schützengräben der Westfront. In Leeds bewahrt die Universität ein Housey-Housey-Spiel aus den Kriegsjahren mit 26 Karten und über 100 Markern auf. Im Juli 1916 erwähnt der Soldat Clifford Atchison in einem Brief an seine Mutter Männer beim Housie. Ein Veteran erzählt im Podcast des Imperial War Museum, sie hätten viel House gespielt, Housey-Housey, das heute Bingo heißt.

Illustration: Housey-Housey-Karte auf einer Munitionskiste, markiert mit Brot, Uniformknopf und Glasmarker, dahinter Stahlhelme, ein Blechbecher und eine Kerze
So spielten britische Soldaten im Ersten Weltkrieg: Zahlen von 1 bis 90, markiert mit allem, was gerade da war. (KI Illustration)

Housie im Schützengraben: Karten und Kritik

Nicht alle sahen das Spiel gern. Ein Feldgeistlicher nannte es ein Zeichen für Glücksspiel in der ganzen Armee. Schlimmere Formen des Spielens halte es aber fern, fand er. Ein Veteran erinnerte sich an Runden 1915 in der Kaserne Catterick. Die alten Soldaten ließen ihre Kumpels „Bingo“ rufen, und die Karten wurden nie geprüft.

In den Schützengräben kostete eine Karte zwei Schilling und sechs Pence, es gab 24 Stück pro Runde. Jede Karte hatte drei Reihen mit fünf Zahlen.

Housey-Housey zwischen den Kriegen: Jahrmarkt, Razzien und Clubs

Nach 1918 lebte Bingo in England vor allem in den Clubs weiter. Die zurückgekehrten Soldaten spielten meist abends in Arbeiterclubs und Veteranenclubs der British Legion. Aus dieser Zeit stammen laut Downs die ersten Strafverfahren wegen Housey-Housey. Gespielt wurde auf Märkten, auf Jahrmärkten und auf Brachflächen, oft von Jugendlichen.

Ein Gesetz von 1934 erlaubte kleine Lotterien nur bei Basaren und Festen, ohne Geldpreise und ohne privaten Gewinn. Daran hielt sich aber kaum jemand.

Housey-Housey auf dem Rummel

Auf dem Rummel gab es Sachpreise statt Geld. Das waren Blechautos, Stofftiere und Strohhüte. Eine Schriftstellerin erinnerte sich an ihre Kindheit in den 1920er Jahren. Auf dem Jahrmarkt spielte sie Housey-Housey und gewann eine lila-goldene Vase. Laut einer Überlieferung eröffnete 1928 in Morecambe ein Stand, der das Spiel schon Bingo nannte.

Bingo in England in den 1930ern: London und York

Auch Polizei und Sozialforscher bemerkten das Spiel. In London zählte die Polizei ab 1937 viele Verfahren wegen Bingo. Ein Betreiber in Peckham ließ 1939 täglich spielen, für einen Penny pro Runde. Es kamen vor allem Frauen der ärmeren Schicht, und die Polizei nannte das Spiel schon Bingo. Seebohm Rowntree untersuchte zur gleichen Zeit die Armut in York. Housey-Housey war dort das beliebteste reine Glücksspiel, mit Einsätzen von einem bis sechs Pence. Pubs spielten es, um Geld für Ausflüge zu sammeln.

Housey-Housey im Zweiten Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg wurde Bingo in England noch größer. Downs zitiert Erinnerungen an Runden mit bis zu 500 Teilnehmern und Preisen von 30 bis 95 Pfund. Ein Matrose beschrieb den Zahltag in der Kantine: Beim Ruf „Eyes down“ wurde es schlagartig still. Wer ungeduldig war, rief „Shake 'em up“, also: Schüttel die Zahlen.

Einer der Organisatoren war Eric Morley, der nach dem Krieg bei Mecca Karriere machte. Als Unterhaltungsoffizier der Armee leitete er laut Downs viele Runden Housey-Housey. Auch bei der Luftwaffe wurde gespielt, das Green's Dictionary of Slang belegt eine Runde von 1943. Zivilisten in der Rüstungsindustrie spielten ebenfalls.

Bingo in britischen Clubs, Ferienlagern und Seebädern (1950er Jahre)

Nach den Weltkriegen wurde Bingo in England mit nach Hause gebracht. Die britischen Parlamentsprotokolle der 1950er Jahre zeigen das anschaulich. Housey-Housey oder Bingo wird dort mit Veteranenclubs der British Legion und mit Arbeiterclubs verbunden. Genannt werden außerdem Ferienlager, Seebäder, Seebrücken und Schaubuden auf dem Rummel.

Eine Parlamentsdebatte von 1955 über Bingo und Housey-Housey enthält eine Szene aus dem Badeort Margate. Ein Abgeordneter erinnert sich an ein großes Schild vor einem Lokal: „Bingo now being played.“ Statt Militärlager und Westfront sind es jetzt Ferienorte, Clubs und Seebrücken. Das Zahlenspiel gehört zur britischen Freizeit.

Die katholische Kirche bringt Bingo in die Gemeinden

Eine wichtige Rolle spielte die katholische Kirche. Nach dem Krieg kamen viele irische Familien, neue Schulen und Gemeindezentren kosteten Geld. Die Gemeinden sammelten es mit Bingo, in Liverpool sogar für den Bau einer Kathedrale. So zog das Spiel in viele Gemeindesäle ein. Manche ältere Spielerinnen glauben bis heute, die Katholiken hätten Bingo erfunden.

Ein Abgeordneter gesteht seine Bingo Partien (1956)

Noch besser wird es 1956. Während einer Debatte im House of Commons erzählt der Abgeordnete Sir Robert Boothby von seinem letzten Sommer. In Bognor Regis habe er einen Intensivkurs in Housey-Housey gemacht, dort habe man das Spiel Bingo genannt. Ein anderer Abgeordneter fragt, ob um Geld gespielt wurde. Boothbys Antwort: „Certainly.“ Also: selbstverständlich.

Daraufhin erklärt man ihm mit einem Augenzwinkern: Nach damaligem Recht verstieß er bei jeder Partie gegen das Gesetz. Die Hansard-Aufzeichnung dieser Bingo Debatte von 1956 zeigt besser als jede Statistik, wie normal Bingo damals im britischen Alltag war. Ein Gesetz für kleine Spielrunden wurde im April 1956 eigens so ergänzt, dass Housey-Housey darunter fiel.

1960: Ein Gesetz ändert alles

Im Jahr 1960 änderte Großbritannien sein Glücksspielrecht mit dem Betting and Gaming Act. Schon im Juli 1961 sprach das Parlament über die neuen Bingo Clubs und die stark gewachsene Beliebtheit des Spiels. Laut Encyclopaedia Britannica entstanden durch das Gesetz viele gewerbliche Clubs für das Spiel. Damit begann in Großbritannien die große Zeit der Bingo Hallen.

Einer der Ersten war Eric Morley vom Tanzsaal- und Unterhaltungsunternehmen Mecca, der auch die Wahl zur Miss World gegründet hatte. Ab Januar 1961 bot Mecca Bingo in seinen Tanzsälen an. Schon im Juni 1961 kamen jeden Tag rund 150.000 Menschen zu Meccas Bingo Spielen. Zwei Jahre nach dem Gesetz gab es in Großbritannien über 12.000 gewerbliche Bingo Clubs.

Bingo Hallen, die keiner so wollte

Geplant war das nicht. Laut History Today war gewerbliches Bingo ein ungewolltes Kind des Gesetzes. Die Regierung versicherte, das Gesetz regle nur Kartenspiele wie Bridge und Whist. Schon im Januar 1960 warnten die Kirchen vor dem Schlupfloch, vergeblich. Hinter den Kulissen hatten die Ferienlager von Butlins und Warners für das Gesetz geworben. Am 1. Januar 1961 trat es in Kraft, zwei Tage später öffnete der erste gewerbliche Bingo Club.

Eric Morley, der „Mr Bingo“

Morley kannte die Tombola Clubs der Ferienlager und sah die Chance. Die Boulevardpresse nannte ihn bald „Mr Bingo“. Später behauptete er: „Ich habe Bingo erfunden.“ Für das gewerbliche Bingo in Großbritannien lässt Downs das gelten.

Die Mecca Jahre: Bingo Hallen von 1961 bis 1968

Der Andrang auf Bingo in England war riesig, mit Wartelisten und Schlangen um den Block. Mitte Februar 1961 verkaufte Mecca 50.000 Hefte pro Woche, im Juni schon 500.000. Mecca kaufte Kinos und baute sie zu Hallen um. Bis 1966 hießen alle Säle „Mecca Casinos“, danach „Mecca Social and Bingo Clubs“. Ausrufer und Personal trugen Abendkleid oder Anzug.

Glamour gehörte zum Konzept. Prominente riefen die Zahlen aus, etwa die Schauspielerin Diana Dors, Lulu oder Cilla Black. Auch der Boxer Cassius Clay besuchte drei Clubs in Liverpool. Zu gewinnen gab es Diamantcolliers, Nerzstolen und Kreuzfahrten an der Riviera.

Bingo in England: empörte Presse, volle Hallen

Werbung für Bingo war verboten, die Presse berichtete trotzdem ständig. Zeitungen erfanden das Wort „Bingoholics“, The Times nannte Bingo 1961 einen „schwachsinnigen Zeitvertreib“. Die Spieler störte das nicht. Bald zählten die gewerblichen Clubs über 14 Millionen Mitglieder. Laut einer Gallup-Umfrage hatte 1966 fast jeder Vierte im letzten Jahr Bingo gespielt.

Nachmittags spielten die Frauen

Vor 1961 spielten Männer und Frauen etwa gleich viel. In den Arbeiterclubs saßen vor allem Männer, oft mit derbem Wortwitz. Katholische Clubs und Spendenrunden zogen mehr Frauen an. Erst die Nachmittagsrunden in Kinos und Tanzsälen machten Bingo zum Frauenspiel, weil Frauen nachmittags mehr Zeit hatten.

Die Schattenseite von Bingo in England: Betrug und Banden

Bingo in England hatte eine dunkle Seite. Bis 1968 gab es kaum Aufsicht. Nach Downs zwangen Banden kleineren Clubs Automaten zu überhöhten Mieten auf, manche Clubs dienten zur Geldwäsche. Unseriöse Betreiber legten gezogene Kugeln zurück oder riefen falsche Zahlen, damit ein Komplize gewann. Selbst Mecca bekam Besuch von Schutzgelderpressern.

1968: Das Ende der goldenen Jahre

Die Labour-Regierung wollte das gewerbliche Glücksspiel in den Griff bekommen. Innenminister James Callaghan war besonders gegen Bingo. Morley reiste durchs Land und warb bei Abgeordneten für das Spiel. Das Bild vom „nachbarschaftlichen Spiel mit kleinen Einsätzen“ geht laut Downs auf ihn zurück.

Der Gaming Act von 1968 brachte trotzdem strenge Regeln und eine neue Aufsicht, das Gaming Board. Wer spielen wollte, musste Mitglied sein und 24 Stunden warten, Werbung blieb verboten. Bingo überlebte die Reform, von über 1.000 Casinos blieben nur 121 übrig. Das Spiel blieb ein Massenspiel, bis heute.

Zeitleiste: Bingo in England

Bingo in England von 1716 bis 1918

Jahr Ereignis
1716 Londoner Straßenhändlerinnen spielen mit Zahlenrädern statt Würfeln
1778 Lotto als Kinderspiel erstmals belegt
ab 1814 Britische Garnison auf Malta, mögliche Herkunft der Marine-Tombola (Vermutung)
1880 Tombola in der Royal Navy (laut Britannica)
1900 House oder Housey-Housey in der Armee (laut Britannica)
1906 Barwetten für einfache Leute verboten, in der Truppe bleibt das Spiel erlaubt
1916 Soldatenbrief erwähnt Männer beim Housie
1917 Erster Beleg für Spitznamen der Zahlen, etwa Kelly's Eye

Bingo in England von 1919 bis 1960

Jahr Ereignis
1939 Polizei in Peckham nennt das Spiel Bingo
1943 Housey-Housey bei der Luftwaffe belegt
Ende 1940er Tombola in den Ferienlagern von Butlins
1955 Schild in Margate: „Bingo now being played“
1956 Boothby gesteht seine Partien in Bognor Regis
1960 Betting and Gaming Act

Bingo in England von 1961 bis heute

Jahr Ereignis
1. Januar 1961 Gesetz tritt in Kraft, zwei Tage später öffnet der erste gewerbliche Bingo Club
Juni 1961 Mecca zählt 150.000 Spieler am Tag
1963 Über 14 Millionen Mitglieder in gewerblichen Clubs
1966 Fast jeder Vierte hat im letzten Jahr Bingo gespielt. Aus den Mecca Casinos werden Social and Bingo Clubs
1968 Gaming Act, neue Aufsicht durch das Gaming Board
2015 Rave Bingo startet in Liverpool
2021 Immersive Bingo in London Shoreditch
1. April 2026 Bingo Steuer abgeschafft

Fazit: Bingo in England ist Tradition, Party und Show

Bingo in England begann nicht in der Halle, sondern auf der Straße, bei Soldaten und in Clubs. Als es 1961 legal wurde, standen die Spieler schon bereit. Heute gibt es rund 700 Standorte mit Lizenz, dazu Drag Bingo, Brunch Bingo und Rave Bingo. Shows mit Bühne und Bildschirmen holen ein neues, junges Publikum an die Zahlen. Wie englisches Bingo im Detail läuft, erklären die Bingo Regeln. Wer 90 Ball Bingo zu Hause spielen will, findet bei uns Bingo Karten und Vorlagen zum Ausdrucken. Tipps für den eigenen Bingo Abend gibt es ebenfalls. Wie Bingo weltweit gespielt wird, zeigt unser Überblick zum Bingo Spiel.

Häufige Fragen

Fragen zum 90 Ball Bingo und den Formaten

Welche Bingo Variante spielt man in englischen Clubs?
Das 90 Ball Bingo mit Scheinen aus drei Reihen und 15 Zahlen. Gewonnen wird mit einer Reihe, zwei Reihen und dem Full House.

Welche Bingo Formate gibt es in England?
Neben dem 90 Ball Bingo in Hallen gibt es Drag, Brunch, Rave, Musik, Comedy und Immersive Bingo.

Was ist immersive Bingo?
Ein Bingo Abend als Show mit Bildschirmen, Licht, Sound und Bühne. Bekannt ist eine Show in London Shoreditch, seit 2021 mit Platz für bis zu 200 Spieler.

Fragen zu Bingo in England heute

Ab welchem Alter darf man in England Bingo spielen?
In lizenzierten Bingo Hallen ab 18 Jahren. Jüngere dürfen hinein, aber nicht mitspielen, und die meisten Betreiber lassen sie nicht hinein.

Wo kann man in England Bingo spielen?
In Bingo Hallen, Arbeiterclubs und Social Clubs, Ferienparks, bei Spendenrunden in Kirchen und Gemeindesälen, in Pubs und online.

Wie viele Bingo Hallen gibt es in England?
Rund 700 Standorte in Großbritannien haben eine Bingo Lizenz. Klassische Bingo Clubs sind deutlich weniger, der größte Betreiber hat 50 Hallen.

Fragen zu Housey-Housey und Tombola

Was ist Housey-Housey?
Housey-Housey ist ein alter britischer Name für Bingo, vor allem bei Soldaten und in Clubs. Der Name kommt vom Ruf „House!“ des Gewinners.

Was ist der Unterschied zwischen Tombola und Housey-Housey?
Meist keiner. Beide Namen stehen für dasselbe Spiel. Britannica ordnet Tombola der Marine und House der Armee zu, in der Praxis gingen die Namen durcheinander.

Warum spielten britische Soldaten Bingo?
Es war das einzige erlaubte Glücksspiel der Streitkräfte. Gespielt wurde auch, um Geld für die Kasse der Gemeinschaftsküche zu sammeln.

Fragen zur Bingo Geschichte

Wer hat Bingo erfunden, und wer brachte es nach England?
Eine einzelne Person gibt es nicht. Zahlenspiele mit billigen Losen gab es in London schon im 18. Jahrhundert. Das Spiel mit 90 Zahlen verbreitete sich über die Streitkräfte, möglicherweise kam es über Malta zur Marine.

Seit wann gibt es Bingo in England?
Zahlenspiele sind seit dem 18. Jahrhundert belegt. Bei den Streitkräften ist es spätestens im Ersten Weltkrieg sicher belegt. Gewerbliche Bingo Clubs sind seit dem 1. Januar 1961 erlaubt.

Seit wann gibt es Bingo Hallen in England?
Ab 1961. Der erste gewerbliche Bingo Club öffnete am 3. Januar 1961, zwei Tage nach dem Inkrafttreten des Betting and Gaming Act.


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