Bingo ist für viele erst einmal ein ganz normales Gesellschaftsspiel: Karten verteilen, Zahlen ziehen und darauf hoffen, als Erster „Bingo!“ rufen zu können.
Doch sobald Geld ins Spiel kommt, entstehen schnell Fragen. Darf eine Bingo Karte etwas kosten? Was gilt bei Geld- oder Sachpreisen? Kann eine Bar einen kostenpflichtigen Bingo Abend veranstalten? Und gelten für einen Verein dieselben Regeln wie für ein Unternehmen?
Wenn du wissen willst, ob dein Bingo Abend als Glücksspiel gilt, ob du eine Erlaubnis brauchst oder ob du dich mit einem unerlaubten Angebot sogar strafbar machen könntest, findest du hier die wichtigsten Informationen.
Entscheidend ist nicht, ob das Spiel Bingo heißt, sondern wie es konkret aufgebaut ist.
Kurz gesagt: Bingo ist in der Regel Glücksspiel, wenn drei Dinge zusammenkommen:
Es gibt etwas zu gewinnen.
Du musst bezahlen, um die Gewinnchance zu bekommen.
Der Zufall entscheidet ganz oder überwiegend.
Zahlt niemand für die Gewinnchance, ist Bingo in der Regel kein Glücksspiel.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Die Beispiele sind keine Zusage, dass ein bestimmtes Modell zulässig ist. Die Bewertung hängt von der konkreten Gestaltung ab. Verfahren, Zuständigkeiten und Allgemeinerlaubnisse können sich je nach Bundesland unterscheiden. Für Entscheidungen auf Grundlage dieses Textes übernehmen wir keine Haftung. Der ausführliche Hinweis steht am Ende des Artikels. Zuletzt geprüft am 04.09.2026.
Dein Bingo Event in der Übersicht: Glücksspiel oder nicht?
Bingo wird längst nicht mehr nur zu Hause mit Familie oder Freunden gespielt. Es gibt Bingo bei Firmenfeiern, in Seniorenheimen und Vereinen, in Bars und Restaurants, auf Festen und online. Manche Angebote sind komplett kostenlos, bei anderen werden Karten verkauft, Eintritt verlangt oder Preise ausgespielt. Entscheidend ist vor allem, ob jemand bezahlen muss, um die Gewinnchance zu bekommen.
Such dir deinen Fall: Bingo Glücksspiel oder nicht?
Warum wird Bingo überhaupt mit Glücksspiel verbunden?
Das Spielprinzip erklärt die Frage:
Zahlen oder Symbole werden zufällig gezogen
Die Spieler können das Ergebnis nicht beeinflussen
Wer zuerst ein bestimmtes Muster erreicht, gewinnt
Dadurch enthält Bingo eindeutig ein Zufallselement
Zufall allein macht ein Spiel rechtlich aber noch nicht zum Glücksspiel. Das ist wahrscheinlich die wichtigste Botschaft dieses ganzen Artikels. Bei Mensch ärgere dich nicht wird gewürfelt, und niemand käme auf die Idee, dafür eine Erlaubnis zu beantragen. Was Bingo in die Nähe des Glücksspiels rückt, ist nicht die Lostrommel, sondern die Frage, ob jemand für die Gewinnchance bezahlt.
Wann gilt Bingo als Glücksspiel?
Die Definition steht in § 3 des Glücksspielstaatsvertrags, das Hessische Innenministerium erklärt sie in Behördensprache. Beim klassischen Bingo ist vor allem der zweite Punkt entscheidend, denn die zufällige Ziehung gehört ohnehin zum Spiel.
1. Es gibt etwas zu gewinnen
Der Preis kann ganz unterschiedlich aussehen: Geld, Sachpreise, Gutscheine, Reisen oder andere Dinge mit einem wirtschaftlichen Wert. Wichtig ist: Ein Preis allein macht Bingo noch nicht zum Glücksspiel. Auch bei einem kostenlosen Bingo darf es etwas zu gewinnen geben.
2. Du musst fürs Mitspielen und Gewinnen bezahlen
Das ist bei vielen Bingo Angeboten der Punkt, an dem sich Spiel und Glücksspiel trennen. Kostet eine Bingo Karte fünf Euro und eröffnet erst diese Karte die Möglichkeit, einen Preis zu gewinnen, ist der Zusammenhang klar: Die Zahlung verschafft die Gewinnchance.
Nicht jede Zahlung rund um einen Bingo Abend ist aber ein Spieleinsatz. Das Bundesverwaltungsgericht hat klargestellt: Entscheidend ist der Zusammenhang zwischen der Zahlung und der Gewinnchance. Die Gewinnchance muss gerade aus der Zahlung erwachsen.
Was ist mit Eintritt oder einer Eventgebühr?
Eine echte Teilnahme- oder Veranstaltungsgebühr kann anders bewertet werden als ein Spieleinsatz. Das Bundesverwaltungsgericht hat einen Fall entschieden, in dem eine Teilnahmegebühr ausschließlich oder ganz überwiegend die Kosten der Veranstaltung deckte und von den Teilnehmern keine weiteren Zahlungen verlangt wurden, aus denen sich eine Gewinnchance ergeben konnte. Eine solche Gebühr ist danach kein Einsatz für ein erlaubnispflichtiges Glücksspiel.
Das bedeutet aber nicht:
Wir nennen den Spieleinsatz einfach „Eintritt“ und schon ist alles erlaubt.
Entscheidend ist, wofür der Gast tatsächlich bezahlt. Wenn der eigentliche Grund für das Ticket darin besteht, an einer Bingo Runde mit Gewinnen teilnehmen zu können, sollte das Modell genauer geprüft werden.
Was ist mit sehr kleinen Beträgen wie 50 Cent?
Gerade bei Bingo im Verein, im Seniorenheim oder bei kleineren Veranstaltungen stellt sich schnell die Frage: Zählt denn wirklich schon ein Betrag von 50 Cent oder einem Euro?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Zwei Obergerichte haben für bestimmte Online Gewinnspiele entschieden, dass ein Betrag auch zu klein sein kann, um als Einsatz zu zählen, und 50 Cent unter den dortigen Bedingungen nicht als erheblich bewertet. Diese Entscheidungen betreffen aber spezielle Online Gewinnspiele und nicht Bingo. Höchstrichterlich geklärt ist die Frage außerdem noch nicht.
Verlass dich also nicht darauf, dass ein kleiner Betrag beim Bingo schon in Ordnung geht. Wie es in der Praxis laufen kann, zeigt der Fall aus Köln weiter unten: Dort kostete die Karte 50 Cent bis einen Euro, und die Stadt verlangte trotzdem eine Genehmigung.
3. Der Zufall entscheidet
Beim klassischen Zahlen Bingo ist dieser Punkt normalerweise eindeutig. Die Spieler können nicht beeinflussen, welche Zahl als Nächstes gezogen wird. Deshalb hängt der Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall ab. Das gilt auch für Bingo mit Begriffen, Bildern oder Symbolen, wenn diese zufällig gezogen oder aufgedeckt werden.
Wie die Ziehung funktioniert, welche Gewinnmuster es gibt und wie eine klassische Runde abläuft, erklären wir ausführlich in unseren Bingo Regeln.
Kurz zusammengefasst: Gibt es einen Gewinn, wird für die Chance darauf bezahlt und entscheidet überwiegend der Zufall, ist Bingo in der Regel Glücksspiel.
Wann braucht ein Bingo Abend eine Erlaubnis?
Bis hierhin ging es um die Frage: Ist das Spiel überhaupt Glücksspiel? Danach kommt eine zweite, davon unabhängige Frage: Wer darf teilnehmen?
Beide Ebenen gehören nicht zusammengeworfen. Ein kostenloser, für alle offener Bingo Abend ist nicht allein wegen seiner Öffentlichkeit ein Glücksspiel. Umgekehrt kann eine private Runde mit Einsatz die Merkmale eines Glücksspiels erfüllen, ohne öffentlich zu sein.
Das Gesetz spricht von öffentlichem Glücksspiel, wenn ein größerer Kreis mitspielen kann, der nicht vorher feststeht. Es reicht aber noch ein zweiter Weg: Auch ein Glücksspiel, das gewohnheitsmäßig stattfindet, also als wiederkehrende feste Spielrunde, kann in einem Verein oder einer geschlossenen Gesellschaft als öffentlich gelten. Das überrascht viele. Ein wöchentlicher Bingo Nachmittag oder ein fester Vereinsabend ist also nicht schon deshalb privat, weil nur ein bestimmter Kreis dabei ist.
Warum ist diese Unterscheidung wichtig? Weil öffentliches Glücksspiel grundsätzlich nur mit einer behördlichen Erlaubnis veranstaltet oder vermittelt werden darf. Fehlt sie, kommt neben dem Einschreiten der Behörde auch das Strafrecht in Betracht.
Offen oder geschlossen: Beispiele
Öffentlich sind zum Beispiel:
Eine Bar bewirbt einen Bingo Abend auf Instagram und jeder kann eine Karte kaufen
Ein Veranstalter verkauft Tickets für eine öffentlich zugängliche Bingo Show
Auf einem öffentlichen Fest wird Bingo gegen Bezahlung angeboten
Geschlossen sind zum Beispiel:
Eine private Geburtstagsfeier oder eine Hochzeit mit eingeladenen Gästen
Eine interne Firmenveranstaltung
Eine einmalige Runde mit einem vorher feststehenden Kreis
Was gilt für private und interne Bingo Runden?
Bei privaten und internen Bingo Runden muss wieder zwischen kostenlosem Bingo und einer Runde mit Einsatz unterschieden werden. Am unkompliziertesten ist es, wenn niemand für die Gewinnchance bezahlt.
Ist Bingo auf einer privaten Feier Glücksspiel?
Kostenloses Bingo bei einem Geburtstag, einer Hochzeit, einem JGA oder einer Familienfeier ist in der Regel kein Glücksspiel. Dasselbe gilt für ein Kennenlern Bingo, bei dem die Gäste Felder wie „war schon mal in Italien“ abhaken. Solange niemand für das Mitspielen und die Gewinnchance bezahlt, fehlt dem Bingo ein Merkmal des Glücksspiels, und es darf trotzdem einen Geld- oder Sachpreis geben.
Zahlen dagegen zum Beispiel zehn Freunde jeweils fünf Euro in einen gemeinsamen Topf und erhält der Gewinner das Geld, können die Merkmale eines Glücksspiels erfüllt sein. Das bedeutet aber noch nicht automatisch, dass die Runde öffentlich ist. Bei einem wirklich privaten und vorher feststehenden Teilnehmerkreis fehlt in der Regel die Öffentlichkeit. Anders sieht es aus, wenn dieselbe Runde regelmäßig mit Einsatz spielt. Regelmäßig veranstaltetes Glücksspiel kann auch innerhalb eines geschlossenen Teilnehmerkreises als öffentlich gelten.
Empfehlung: Am einfachsten bleibt es ohne Kartenpreis. Wer trotzdem mit Einsatz spielen möchte, sollte wissen: Auch in einer privaten Runde kann Glücksspiel vorliegen. Ein persönlich eingeladener, vorher feststehender Kreis ist aber etwas anderes als ein öffentlich beworbener oder immer wieder veranstalteter Bingo Abend.
Bingo in Schule und Kita: kein Glücksspiel ohne Einsatz
Auch ein Vokabel Bingo im Unterricht, ein Farben Bingo in der Kita, eine Bingo Runde beim Schulfest oder ein Spiel im Ferienlager ist in der Regel kein Glücksspiel, wenn niemand für die Gewinnchance bezahlt. Kleine Sachpreise ändern daran nichts.
Sobald tatsächlich öffentliches Glücksspiel angeboten wird, gelten besondere Regeln für Minderjährige. Der Glücksspielstaatsvertrag schließt Minderjährige grundsätzlich von öffentlichen Glücksspielen aus. Eine Ausnahme gibt es unter bestimmten Voraussetzungen bei Ausspielungen auf Volksfesten, Jahrmärkten und ähnlichen Veranstaltungen mit geringwertigen Warenpreisen. Für Schulen, Kitas und Jugendarbeit ist deshalb die einfachste Gestaltung: Bingo ohne Spieleinsatz.
Ist Bingo im Altenheim oder Seniorenheim Glücksspiel?
Hinter dieser Suche steckt meist eine Betreuungskraft, die seit Jahren Bingo Nachmittage macht und plötzlich verunsichert ist. Die Antwort hat zwei Hälften.
Kostenloses Bingo ist auch im Altenheim, Seniorenheim oder in der Tagespflege in der Regel kein Glücksspiel. Die Runde kann Teil des Betreuungs- oder Freizeitangebots sein. Kleine Sachpreise wie Süßigkeiten, Blumen oder andere Aufmerksamkeiten machen daraus kein Glücksspiel.
Genauer sollte hingeschaut werden, sobald Geld für Bingo Karten oder die Teilnahme verlangt wird. Denn regelmäßig veranstaltetes Glücksspiel kann auch innerhalb eines geschlossenen Teilnehmerkreises als öffentlich gelten. Dann kann das Bingo genehmigungspflichtig werden. Gerade bei kleinen Einsätzen wie 50 Cent sollte eine Einrichtung nicht einfach davon ausgehen, dass der Betrag immer irrelevant ist.
Bingo im Seniorenheim: was Köln und Dortmund entschieden haben
Zwei Fälle aus dem Jahr 2018 zeigen, warum der Teilnehmerkreis den Unterschied macht.
In Köln kostete die Bingo Karte im Seniorenzentrum der Sozial-Betriebe Köln 50 Cent bis einen Euro. Zu gewinnen gab es Pralinen und Schokolade. Zu den Runden im Festsaal kamen nach Angaben der Sozial-Betriebe Köln auch Gäste aus den umliegenden Stadtteilen, der Kreis war also offen.
Ein Rechnungsprüfer fand eine Quittung mit dem Vermerk „Bingopreis“, daraufhin setzte das Heim die wöchentliche Runde aus. Zwei Monate später erlaubte die Stadt Köln das Spiel wieder, zunächst für drei Monate. Danach übernahm die Bezirksregierung und erlaubte es für zwei Jahre. Der Fall endete also mit einer Genehmigung, nicht mit einem Verbot. Darüber berichtete die Westdeutsche Zeitung, sowohl über die kurzfristige Lösung der Stadt Köln als auch über die endgültige Genehmigung. Ein Fachbeitrag für Ordnungsämter über Bingo im Altenheim kam zum selben Ergebnis: Das Spiel braucht eine Genehmigung.
Die Stadt Dortmund beurteilte einen anderen Fall: Bingo ausschließlich für Bewohner eines Heims im eigenen Aufenthaltsraum. Diesen geschlossenen Kreis sah die Stadt nicht als öffentlich an, es brauche weder Erlaubnis noch Anzeige. Anders sei es in einer Begegnungsstätte, die jeder besuchen kann. Das sagte ein Stadtsprecher dem Portal Nordstadtblogger. Die beiden Fälle zeigen also weniger einen Streit zwischen Behörden als vielmehr, wie sehr es auf den Teilnehmerkreis und die konkrete Gestaltung ankommt. Wer im Heim regelmäßig Bingo gegen Geld anbietet, fragt am besten bei der zuständigen Behörde nach.
Empfehlung: Die Karte kostenlos abgeben und die Preise aus dem Budget, aus Spenden oder aus dem Förderverein bezahlen. Dann ist die Frage vom Tisch. Soll es einen Einsatz geben, vorher beim Ordnungsamt anrufen. Vorlagen mit großen Zahlen gibt es unter Bingo für Senioren kostenlos zum Ausdrucken.
Bingo beim Firmen- oder Teamevent: Was gilt bei einer Eventgebühr?
Ein internes Firmen Bingo ohne gesonderten Spieleinsatz ist typischerweise kein Glücksspiel und damit unkompliziert. Zahlen Mitarbeiter nichts für ihre Bingo Karte und stellt zum Beispiel der Arbeitgeber die Preise, fehlt die Zahlung für die Gewinnchance.
Bei professionell organisierten Teamevents gibt es dagegen häufig einen Gesamtpreis für Raum, Moderation, Personal, Spielmaterial, Catering, Musik oder weitere Programmpunkte. Eine solche Eventpauschale ist nicht automatisch ein Spieleinsatz. Entscheidend ist wieder: Wofür wird tatsächlich bezahlt? Das Bundesverwaltungsgericht unterscheidet eine echte Teilnahme- oder Veranstaltungsgebühr von einer Zahlung, aus der die Gewinnchance erwächst. Im entschiedenen Fall deckte die Gebühr nur die Kosten der Veranstaltung. Mehr musste niemand zahlen, um eine Gewinnchance zu bekommen.
Zwei Tipps aus der Praxis: Team Scheine für zwei bis vier Personen bringen Zusammenarbeit rein. Und Felder mit Bürosprüchen, Fun Facts oder Meilensteinen statt Zahlen machen aus dem Spiel ein Firmen Bingo.
Empfehlung: Karten für alle kostenlos, Preise vom Arbeitgeber oder von einem Sponsor. Wenn eine Pauschale fließt, sollte klar sein, dass sie Raum, Moderation, Catering und Programm bezahlt und nicht die Gewinnchance eröffnet.
Bingo per Video Call im Team: was gilt online?
Bingo über Zoom oder Teams für ein verteiltes Team folgt derselben Logik: geschlossener Zugangslink, keine Zahlung fürs Mitspielen, Preise vom Arbeitgeber. Dann ist Bingo kein Glücksspiel, egal ob offline oder online. Sobald für die Gewinnchance bezahlt wird, können zusätzlich die besonderen Regeln für Glücksspiel im Internet relevant werden, mehr dazu im Abschnitt zu Online Bingo.
Empfehlung: Link nur ans Team schicken, Teilnahme kostenlos, Preise vom Arbeitgeber.
Verein, Gastronomie, Fest: Glücksspiel oder Prüffall
Bei Vereinen, Gastronomie und öffentlichen Veranstaltungen muss genauer hingeschaut werden. Besonders relevant wird es, wenn für die Gewinnchance bezahlt wird oder ein Bingo mit Einsatz öffentlich veranstaltet wird.
Vereine und Charity Bingo: Glücksspiel für den guten Zweck
Auch Bingo für einen guten Zweck kann Glücksspiel sein. Verkauft zum Beispiel ein Verein Bingo Karten, gibt es Preise und entscheidet die zufällige Ziehung über den Gewinner, können die Regeln für Lotterien oder Ausspielungen greifen. Der gute Zweck macht das Spiel also nicht automatisch genehmigungsfrei.
Für gemeinnützige Veranstaltungen gibt es allerdings besondere Möglichkeiten. Der Glücksspielstaatsvertrag erlaubt den Bundesländern vereinfachte Regeln für sogenannte Kleine Lotterien. Das Gesetz nennt dafür drei Grenzen: Die Summe der Teilnahmeentgelte darf 40.000 Euro nicht übersteigen. Der Reinertrag muss ausschließlich und unmittelbar für gemeinnützige, kirchliche oder mildtätige Zwecke verwendet werden. Und Reinertrag und Gewinnsumme müssen jeweils mindestens 25 Prozent der Entgelte betragen. Die Länder können strenger sein: In Baden-Württemberg verlangt das Regierungspräsidium Karlsruhe für seine Allgemeine Erlaubnis, dass der Reinertrag mindestens ein Drittel der Lossumme beträgt und die Preise mindestens 25 Prozent des Loswerts ausmachen.
Wichtig für Vereine: Ein Gewinn für den Veranstalter lässt sich damit nicht erwirtschaften. Die Verwendung des Reinertrags für ein gemeinnütziges Projekt im eigenen Verein ist nach Auskunft des Regierungspräsidiums Karlsruhe aber denkbar.
Beispiel Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg gibt es eine Allgemeine Erlaubnis für öffentliche Lotterien und Ausspielungen. Sie gilt unter bestimmten Voraussetzungen unter anderem für Organisationen der Wohlfahrts- und Jugendhilfe, Kirchengemeinden, Sportvereine, Feuerwehren, rechtsfähige Vereine, Stiftungen und juristische Personen des öffentlichen Rechts. Erfasst sind ausdrücklich nur Veranstaltungen vor Ort, nicht Internet-Lotterien. Vor der Durchführung ist eine Anzeige beim landesweit zuständigen Finanzamt Karlsruhe-Durlach vorzulegen. Sind die Vorgaben der Allgemeinen Erlaubnis erfüllt, ist die Lotterie oder Ausspielung in der Regel lotteriesteuerbefreit, die Vorabanzeige bleibt trotzdem nötig.
„Für einen guten Zweck“ bedeutet deshalb nicht automatisch „ohne Formalitäten erlaubt“. Vor dem Losverkauf sollte geklärt werden, ob eine Allgemeine Erlaubnis greift oder eine individuelle Erlaubnis benötigt wird und welche Anzeigen erforderlich sind.
Bingo in Bar und Restaurant: wann das Glücksspiel beginnt
Ein kostenloser Bingo Abend ist in der Regel kein Glücksspiel, solange niemand für die Gewinnchance bezahlen muss. Besonders klar ist ein Modell, bei dem:
die Bingo Karte kostenlos ist,
kein Mindestverzehr Voraussetzung für das Mitspielen ist,
die Teilnahme nicht an ein besonderes Bingo Paket gekoppelt ist,
Speisen und Getränke zu ihren normalen Preisen angeboten werden.
Auch wenn ein Bingo Abend danach kein Glücksspiel ist, gelten die allgemeinen Regeln für Gewinnspiele weiter, etwa die wettbewerbsrechtliche Pflicht, die Teilnahmebedingungen klar und verständlich anzugeben.
Ob der Gewinner Geld, einen Gutschein oder einen Sachpreis erhält, entscheidet allein noch nicht darüber, ob Glücksspiel vorliegt. Entscheidend ist, ob die Teilnehmer für die Gewinnchance bezahlen. Auch ein von einem Sponsor finanzierter Preis ändert daran nichts.
Was gilt bei Eintritt, Event-Paketen und Mindestverzehr?
Ein Eintrittspreis macht aus einem Bingo Abend nicht automatisch ein Glücksspiel. Bei einem größeren Event kann ein Ticket Raum, Moderation, Show, Musik, Catering und andere Leistungen abdecken. Anders sieht es aus, wenn die Zahlung praktisch nur dafür verlangt wird, an einer Bingo Runde mit Gewinnmöglichkeit teilnehmen zu können. Deshalb reicht es auch nicht aus, auf ein Ticket einfach „Bingo Karte kostenlos“ zu schreiben. Die tatsächliche Gestaltung zählt.
Auch Mindestverzehr ist nicht automatisch ein Spieleinsatz. Die entscheidende Frage lautet: Muss der Gast etwas kaufen, damit er überhaupt am Bingo teilnehmen und gewinnen kann? Gibt es die Bingo Karte nur zusammen mit einem Getränkepaket, Menü oder Mindestumsatz, sollte geprüft werden, ob die Zahlung wirtschaftlich mit der Gewinnchance verbunden ist. Eine Preiserhöhung gegenüber dem normalen Angebot kann dabei für ein verdecktes Entgelt sprechen: Das Bundesverwaltungsgericht hat für einen Warenkauf zum unveränderten üblichen Preis entschieden, dass darin kein Entgelt für die Gewinnchance liegt. Daraus folgt aber keine feste Rechenregel.
Empfehlung: Karte für jeden Gast kostenlos, Speisen und Getränke zum normalen Preis, als Gewinn Sachpreise oder Gutscheine fürs Haus. Wer Eintritt, ein Paket oder Mindestverzehr verlangen möchte, klärt das vorher mit dem Ordnungsamt. Wie du so einen Abend planst, steht unter Bingo Abend veranstalten.
Noch eine Regel für gewerbliche Anbieter
Wer gewerblich Spiele mit Gewinnen veranstaltet, braucht dafür unter Umständen eine Erlaubnis nach der Gewerbeordnung. Das gilt sogar dann, wenn das Spiel gar kein Glücksspiel ist. Das Bundesverwaltungsgericht hat das für ein Pokerturnier ausdrücklich so entschieden. Für reine Online Angebote ist die Frage offen, dazu gibt es zwei Urteile mit unterschiedlichem Ergebnis.
Wie so etwas auffliegt, zeigt ein Fall aus München: In einem Café in Sendling trafen sich ab November 2021 regelmäßig bis zu 100 Personen zum Bingo, Gewinne wurden per Lautsprecher verkündet. Nicht eine Kontrolle brachte die Polizei ins Haus, sondern Lärmbeschwerden der Nachbarn. Im April 2022 durchsuchte die Kripo das Lokal, 78 Personen saßen an den Tischen, gegen die drei Wirte wurde wegen unerlaubten Glücksspiels ermittelt. Das berichtete die Abendzeitung München.
Was gilt auf Stadtfesten, Volksfesten und Jahrmärkten?
Für Bingo auf Volksfesten, Stadtfesten oder Jahrmärkten gibt es besondere Regeln. Je nach Gestaltung können neben dem Glücksspielrecht auch Gewerbeordnung und Spielverordnung relevant sein. Die Gewerbeordnung enthält eine Sonderregel für gewerbliche Verlosungen auf Volksfesten, Schützenfesten und ähnlichen Veranstaltungen, bei denen es nur geringwertige Sachen zu gewinnen gibt.
Auch beim Jugendschutz gibt es hier eine Besonderheit. Minderjährige dürfen unter bestimmten Voraussetzungen an Ausspielungen auf Volksfesten, Jahrmärkten, Spezialmärkten und ähnlichen Veranstaltungen teilnehmen, wenn ausschließlich Waren von geringem Wert gewonnen werden können. Neben dem Glücksspielstaatsvertrag ist beim Bingo Stand das Jugendschutzgesetz zu beachten, das die Teilnahme von Kindern und Jugendlichen an Spielen mit Gewinnmöglichkeit in der Öffentlichkeit eigenständig regelt. Einen öffentlichen Bingo Stand mit Spieleinsatz sollte man deshalb vorher mit dem Veranstalter und der zuständigen Behörde abstimmen.
Bingo auf Twitch oder YouTube: Glücksspiel oder Community Spiel?
Bingo wird online nicht nur über klassische Lotterieangebote gespielt. Auch Streamer nutzen Bingo als Community Spiel und erstellen eigene Bingo Karten, mit denen ihre Zuschauer live mitspielen. Solange jeder kostenlos teilnehmen kann, gilt zunächst dieselbe Grundregel wie offline.
Interessanter wird es, wenn Zuschauer bezahlen, ein kostenpflichtiges Paket kaufen oder auf andere Weise Geld ausgeben müssen, um überhaupt eine Bingo Karte oder Gewinnchance zu bekommen. Dann muss wieder geprüft werden, ob die Zahlung mit der Gewinnchance zusammenhängt. Twitch oder YouTube sind also keine eigene rechtliche Bingo Kategorie, sondern nur ein modernes Beispiel dafür, wie Bingo online veranstaltet werden kann.
Empfehlung: Die Teilnahme kostenlos halten und die Preise selbst oder über Sponsoren stellen. Sobald Zuschauer für die Gewinnchance bezahlen, kann daraus Glücksspiel im Internet werden. Für ein typisches kostenpflichtiges Live Bingo mit sofortiger Gewinnbekanntgabe gibt es für private Veranstalter praktisch keinen Erlaubnisweg.
Was gilt, wenn du mit Bingo Geld verdienen willst?
Hier geht es nicht darum, Bingo Karten, ein Kartenset oder ein Bingo Spiel als normales Produkt zu verkaufen. Gemeint ist ein Angebot, bei dem Gäste für die Teilnahme an einer konkreten Bingo Runde bezahlen und der Veranstalter daran verdient. Also die Bar mit wöchentlichem Bingo Abend, die Eventagentur, der Veranstalter, der Tickets für Bingo Runden verkauft.
Darf ein Veranstalter die Teilnahme an einem Bingo Glücksspiel verkaufen?
Ein einfaches Beispiel: Eine Bar verkauft Bingo Karten für fünf Euro. Nur Käufer dürfen an der Runde teilnehmen und gewinnen. Es gibt Geld- oder Sachpreise, die Zahlen werden zufällig gezogen. Hier bezahlen die Gäste direkt für ihre Gewinnchance. Damit ist das Bingo in der Regel Glücksspiel. Ist der Abend öffentlich zugänglich, greifen zusätzlich die Regeln für öffentliches Glücksspiel.
Für normale gewerbliche Unternehmen sind die Möglichkeiten, eigene Lotterien oder Ausspielungen zu veranstalten, stark eingeschränkt. Das Gesetz lässt sie nur zu, wenn damit keine wirtschaftlichen Ziele verfolgt werden, die über den Werbeeffekt der ausgelobten Preise hinausgehen. Das heißt: Für ein Geschäftsmodell nach dem Prinzip „Wir verkaufen Bingo Karten und verdienen an den Spieleinsätzen“ gibt es für kommerzielle Veranstalter praktisch keinen Erlaubnisweg.
Drei Modelle, die das Gesetz anders einordnet, jeweils mit ihrer Bedingung:
Du verkaufst den Abend, nicht die Gewinnchance. Der Gast bezahlt ein Ticket für das Programm, also für Moderation, Show, Live Musik oder Essen. Die Bingo Karten bekommt jeder dazu, ohne Aufpreis. Nach der Rechtsprechung spricht für dieses Modell, wenn der Ticketpreis die Kosten des Abends deckt und niemand extra zahlen muss, um mitspielen zu können. Ob die Preise von dir oder von Sponsoren kommen, spielt dabei keine Rolle.
Charity Bingo mit einem gemeinnützigen Verein. Der Verein klärt, ob eine Allgemeine Erlaubnis greift oder eine individuelle Erlaubnis nötig ist. Raum, Service und Catering stellt der Gastronom und rechnet sie regulär ab. Der Erlös aus den Karten geht an den Zweck.
Sponsoring und Catering. Die Teilnahme ist komplett kostenlos. Einnahmen entstehen über Speisen, Getränke und Sponsoren, die die Preise stellen.
Wer ein solches Angebot plant, sollte es vorher rechtlich prüfen lassen und gegebenenfalls mit der zuständigen Behörde abstimmen.
Was gilt für Online Bingo?
Für Bingo im Internet gilt zunächst dieselbe Glücksspiel Grundregel wie offline: Muss niemand für die Gewinnchance bezahlen, liegt in der Regel kein Glücksspiel vor. Kostenpflichtiges Online Bingo ist dagegen deutlich stärker reguliert.
Ist Online Bingo grundsätzlich verboten? Nein. Der Glücksspielstaatsvertrag lässt eine Erlaubnis für Glücksspiel im Internet unter anderem für den Eigenvertrieb und die Vermittlung von Lotterien zu. Und Bingo kann rechtlich gerade eine Lotterie oder Ausspielung sein. Das bekannteste deutsche Beispiel ist BINGO! Die Umweltlotterie, die gemeinsam von sieben Landeslotteriegesellschaften veranstaltet wird. Ihre Lose können je nach Bundesland auch online gekauft werden. Entscheidend ist also, wer das Glücksspiel veranstaltet und ob die notwendige Erlaubnis vorhanden ist.
Dass staatlich erlaubte Lotterien online angeboten werden dürfen, bedeutet aber nicht, dass ein Unternehmen einfach ein eigenes kostenpflichtiges Live Bingo starten kann. Für private Lotterien kommen zusätzliche Einschränkungen dazu. Das Gesetz nennt ausdrücklich einen Versagungsgrund: wenn eine interaktive Teilnahme über Rundfunk oder Telemedien möglich ist und der Gewinn zeitnah bekanntgegeben wird.
Ein typisches Live Online Bingo mit gekauften Karten, Live Ziehung und sofortiger Gewinnerbekanntgabe kann deshalb für private Veranstalter besonders problematisch sein. Und die Allgemeine Erlaubnis für kleine Lotterien gilt, zumindest in Baden-Württemberg, ausdrücklich nur für Veranstaltungen vor Ort. Zuständig für unerlaubtes Glücksspiel im Internet über Ländergrenzen hinweg ist die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder.
Empfehlung: Online Bingo kostenlos anbieten. Für ein typisches kostenpflichtiges Live Bingo mit sofortiger Gewinnbekanntgabe gibt es für private Veranstalter praktisch keinen Erlaubnisweg.
Fernsehshow, Bingo Halle und Spielhalle: anderes Glücksspielrecht
Warum darf BINGO! im Fernsehen Geld kosten?
Wenn man nicht einfach kostenpflichtige Bingo Karten verkaufen darf, warum funktioniert das dann im Fernsehen? Weil BINGO! Teil des staatlich regulierten Lotteriesystems ist. Die Umweltlotterie wird gemeinsam von sieben Landeslotteriegesellschaften veranstaltet, jeweils mit der erforderlichen staatlichen Erlaubnis. Ein gesetzlich vorgeschriebener Teil der Einnahmen geht an gemeinnützige Zwecke. Der Fernsehauftritt macht das Bingo also nicht legal. Legal ist es durch die staatliche Erlaubnis.
Bingo Halle oder Spielhalle: was ist der Unterschied?
Eine klassische Bingo Halle ist ein Veranstaltungsort, dessen Hauptzweck darin besteht, dass Besucher Bingo spielen. Sie kaufen Karten oder zahlen einen Einsatz, danach finden regelmäßig Runden mit Geld- oder Sachgewinnen statt. Besonders bekannt ist das Modell aus Großbritannien, wo es ein eigenes Lizenzsystem gibt: Wer dort Bingo kommerziell anbietet, braucht nach Angaben der UK Gambling Commission in der Regel eine Betriebserlaubnis der Kommission, die getrennt für den Betrieb vor Ort und für Online Bingo erteilt wird. Für den Veranstaltungsort kommt eine Erlaubnis der örtlichen Lizenzbehörde dazu, die erst nach der Betriebserlaubnis beantragt werden kann.
In Deutschland gibt es dieses Lizenzsystem nicht. Ein Bingo, bei dem für die Gewinnchance bezahlt wird und der Zufall über den Gewinn entscheidet, wird hier nach den Glücksspiel- und Lotterieregeln behandelt. Für private Veranstalter sind die Voraussetzungen dort eng. Ein kommerzielles Geschäftsmodell einer Bingo Halle lässt sich damit praktisch nicht umsetzen. Das heißt nicht, dass hier kein Bingo in Lokalen gespielt wird. Öffentliche Bingo Abende in Bars und anderen Locations gibt es durchaus. Häufig ist die Teilnahme kostenlos. Kostenpflichtige Modelle müssen dagegen in die zulässigen Glücksspiel- oder Ausspielungsregeln passen.
Wird in Spielhallen Bingo gespielt?
Eine Spielhalle ist etwas anderes als eine Bingo Halle. Dort stehen vor allem Geld- und Warenspielgeräte mit Gewinnmöglichkeit. Deren Bauart muss von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt zugelassen sein, und wer sie gewerblich aufstellt, braucht dafür eine eigene Erlaubnis. Daneben dürfen dort höchstens drei weitere gewerbliche Spiele mit Geldgewinn veranstaltet werden. Solche Spiele dürfen ohnehin nur in Spielhallen und ähnlichen Betrieben erlaubt werden.
Ob ein Bingo unter diese gewerberechtlichen Regeln fällt oder als Lotterie, Ausspielung oder Glücksspiel eingeordnet wird, hängt von seiner Gestaltung ab. Für Lotterien, Ausspielungen und entsprechend eingeordnetes Glücksspiel gelten diese besonderen gewerberechtlichen Regeln grundsätzlich nicht, dort greifen die Vorgaben aus diesem Artikel. Ausgenommen sind die gewerblichen Verlosungen auf Volksfesten mit geringwertigen Gewinnen, die weiter oben stehen. Trägt ein Automat ein Bingo Motiv, ändert das nichts. Entscheidend ist die Einordnung des Spiels oder die Zulassung des Geräts, nicht der Name.
Wann kann Bingo illegal sein?
Bingo wird nicht allein dadurch illegal, dass es Glücksspiel ist. Problematisch wird es vor allem dann, wenn ein öffentliches Glücksspiel veranstaltet wird, für das eine notwendige Erlaubnis fehlt. In diesem Fall können Behörden gegen die Veranstaltung vorgehen. Es hilft dabei nicht automatisch, dass eine Erlaubnis theoretisch hätte erteilt werden können. Auch dann kann eine Strafbarkeit bestehen. Deshalb gilt: erst klären, welche Erlaubnis oder Allgemeine Erlaubnis greift, dann Karten oder Lose verkaufen.
Daneben kann auch das Strafrecht relevant werden. § 284 StGB betrifft die unerlaubte öffentliche Veranstaltung eines Glücksspiels, für unerlaubte öffentliche Lotterien oder Ausspielungen gibt es mit § 287 StGB eine eigene Vorschrift.
Wichtig ist dabei ein Punkt, den viele übersehen: Schon die Werbung für ein unerlaubtes Bingo Glücksspiel ist verboten. Der Glücksspielstaatsvertrag untersagt Werbung und Sponsoring dafür, und beide Strafvorschriften erfassen die Werbung ausdrücklich mit. Der Instagram Post zum Bingo Abend kann also selbst zum Problem werden, nicht erst der Abend. Für Veranstalter lässt sich daraus eine einfache Regel ableiten:
Wenn du Bingo öffentlich gegen Geld und mit Gewinnen anbieten möchtest, lass das Konzept zuerst prüfen und starte erst danach.
Ob Bingo Glücksspiel ist, hängt von der Gestaltung ab
Bingo ist nicht automatisch Glücksspiel. Zwei Fragen klären fast jeden Fall.
Erste Frage: Muss jemand bezahlen, um mitspielen und gewinnen zu können? Wenn nein, ist es in der Regel kein Glücksspiel. Daran ändert auch ein Geldpreis nichts. Wenn ja, kommen Gewinn und Zufall dazu, und damit sind die Merkmale meist erfüllt. Der Zufall gehört beim Bingo ohnehin zum Spiel.
Liegt danach Glücksspiel vor, kommt die zweite Frage: Ist der Kreis offen, oder wird regelmäßig gespielt? Davon hängt ab, ob zusätzlich eine Erlaubnis nötig wird. Ein einmaliger Abend im Freundeskreis ist etwas anderes als der wöchentliche Termin oder der Abend, zu dem jeder kommen kann.
Genauer hinschauen solltest du beim Bingo mit kostenpflichtigen Karten, bei Eintritt, Mindestverzehr, Event-Paketen, Vereinsveranstaltungen gegen Geld und bei Online Bingo mit Bezahlung.
Und eine Verwechslung zum Schluss: Ein Bingo Spiel oder ein Kartenset als Produkt zu verkaufen ist etwas völlig anderes, als die Teilnahme an einer konkreten Runde mit Gewinnchance zu verkaufen. Ein Bingo Spiel zu verkaufen ist ein normaler Verkauf, die Teilnahme zu verkaufen kann Glücksspiel sein.
Bingo und Glücksspiel: häufige Fragen
Ist Bingo ohne Geldeinsatz Glücksspiel? In der Regel nein. Wenn niemand dafür bezahlt, mitspielen und gewinnen zu können, fehlt die entscheidende Zahlung für die Gewinnchance.
Zählt Bingo immer als Glücksspiel? Nein. Bingo zählt nicht allein deshalb als Glücksspiel, weil die Zahlen zufällig gezogen werden. Zusätzlich muss insbesondere für die Möglichkeit bezahlt werden, einen Gewinn zu erhalten.
Ist Bingo ein reines Glücksspiel? Beim klassischen Bingo können die Spieler nicht beeinflussen, welche Zahlen gezogen werden, der Gewinner wird also durch Zufall bestimmt. Für die rechtliche Einordnung als Glücksspiel reicht der Zufall allein aber nicht aus.
Nennt der Glücksspielstaatsvertrag Bingo ausdrücklich? Nein. Der Glücksspielstaatsvertrag führt Bingo nicht als eigene Glücksspielart auf. Stattdessen gilt die allgemeine Definition: Wird für eine Gewinnchance bezahlt und hängt der Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall ab, kann Bingo darunter fallen.
Was gilt bei Bingo mit Sachpreisen? Nicht automatisch. Auch bei einem kostenlosen Bingo können Sachpreise vergeben werden. Muss dagegen für die Chance auf den Sachpreis bezahlt werden, kann das Bingo als Ausspielung eingeordnet werden.
Gibt es eine 50-Cent-Freigrenze für Bingo? Nein, jedenfalls keine allgemeine. Es gibt Rechtsprechung zu sehr kleinen Teilnahmebeträgen, sie ist aber nicht abschließend geklärt und lässt sich nicht auf jede Bingo Veranstaltung übertragen.
Bingo und Glücksspiel im privaten und gemeinnützigen Bereich
Darf ich privat um Geld Bingo spielen? Bei einer privaten Runde kann Glücksspiel vorliegen, wenn alle einen Einsatz zahlen und der Zufall über den Gewinn entscheidet. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass es sich um öffentliches Glücksspiel handelt. Entscheidend ist unter anderem, wer teilnehmen kann und ob solche Runden regelmäßig stattfinden.
Ist Bingo im Altenheim oder Seniorenheim erlaubt? Kostenloses Bingo ist in der Regel unproblematisch. Bei regelmäßigem Bingo gegen Bezahlung sollte die Einrichtung das konkrete Modell vorher prüfen und mit der zuständigen Behörde abstimmen.
Darf ein Verein Bingo Karten verkaufen? Das kann möglich sein. Gibt es Gewinne, können die Regeln für Lotterien und Ausspielungen gelten. Für gemeinnützige Organisationen gibt es je nach Bundesland besondere Regeln für Kleine Lotterien.
Bingo als Glücksspiel bei Gastronomie, Events und online
Darf eine Bar kostenloses Bingo anbieten und dabei Geldpreise vergeben? Ohne Zahlung für die Gewinnchance liegt in der Regel kein Glücksspiel vor, ein Geldpreis allein ändert daran nichts. Bei regelmäßigen kommerziellen Veranstaltungen können trotzdem weitere gewerberechtliche Regeln relevant werden.
Ist Bingo mit Mindestverzehr oder Eintritt Glücksspiel? Nicht automatisch. Entscheidend ist, ob der Kauf praktisch Voraussetzung dafür ist, eine Bingo Karte oder Gewinnchance zu bekommen. Genau solche Modelle sollten vorher geprüft werden.
Ab welchem Alter darf man an Glücksspiel-Bingo teilnehmen? Bei öffentlichem Glücksspiel dürfen Minderjährige grundsätzlich nicht teilnehmen. Für bestimmte Ausspielungen auf Volksfesten und ähnlichen Veranstaltungen gibt es eine Ausnahme, wenn ausschließlich geringwertige Waren gewonnen werden können.
Ist Online Bingo verboten? Nein, nicht grundsätzlich. Staatlich erlaubte Lotterien können unter entsprechenden Voraussetzungen auch online angeboten werden. Ein privater Anbieter darf deshalb aber nicht automatisch sein eigenes kostenpflichtiges Live Online Bingo starten.
Darf ein Unternehmen Bingo Karten als Produkt verkaufen? Ja, das ist eine andere Frage. Der normale Verkauf eines Bingo Spiels oder Kartensets ist nicht dasselbe wie der Verkauf einer Gewinnchance. Problematisch wird es erst, wenn die Karte gleichzeitig die Teilnahme an einer konkreten Bingo Runde mit Gewinnmöglichkeit eröffnet.
Gibt es in Deutschland Bingo Hallen? Bingo Veranstaltungen und Orte, die sich zeitweise als Bingohalle bezeichnen, gibt es durchaus. Klassische kommerzielle Bingo Hallen nach britischem Vorbild sind in Deutschland allerdings kein übliches Geschäftsmodell, weil das deutsche Recht dafür kein eigenes Lizenzsystem vorsieht.
Weitere Rechtsgrundlagen und Quellen
Die Praxisfälle aus Köln, Dortmund und München sind direkt im Text verlinkt. Dazu kommen diese Rechtsgrundlagen, Urteile und Behördeninformationen. Alle Links geprüft am 04.09.2026.
Glücksspielstaatsvertrag 2021 (Volltext): § 3 Glücksspiel, öffentlich, Lotterie und Ausspielung; § 4 Erlaubnis und Internet; § 5 Abs. 7 Werbe- und Sponsoringverbot; § 10 Veranstalter; §§ 12 bis 18 Lotterien mit geringerem Gefährdungspotenzial; § 13 Versagungsgründe. Einordnung in Behördensprache beim Hessischen Innenministerium.
Dieser Artikel bietet eine allgemeine Orientierung zur Rechtslage in Deutschland und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Ob ein Bingo Angebot als Glücksspiel gilt und ob es eine Erlaubnis braucht, hängt von der konkreten Gestaltung ab: von der Zahlung, vom Teilnehmerkreis, von den Preisen und davon, wie regelmäßig gespielt wird. Die Begriffe im Glücksspielstaatsvertrag gelten bundesweit einheitlich, Verfahren, Zuständigkeiten und Allgemeinerlaubnisse unterscheiden sich je nach Bundesland. Dazu können gewerbe-, jugendschutz-, wettbewerbs- und steuerrechtliche Vorgaben kommen, die dieser Artikel nicht vollständig abbildet.
Alle Beispiele dienen der Veranschaulichung und sind keine Zusage, dass ein bestimmtes Modell zulässig ist. Rechtsprechung und Verwaltungspraxis ändern sich, und in mehreren der behandelten Fragen entscheiden Gerichte unterschiedlich. Wer Bingo mit Einsatz plant, es öffentlich oder regelmäßig veranstaltet oder damit Geld verdienen möchte, klärt das Vorhaben vorab mit der zuständigen Glücksspiel- oder Ordnungsbehörde und bei kommerziellen Modellen zusätzlich mit einer im Glücksspiel- oder Verwaltungsrecht erfahrenen Anwältin oder einem erfahrenen Anwalt. Für Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Textes getroffen werden, übernehmen wir keine Haftung. Zuletzt geprüft am 04.09.2026.